Architektur Georgiens
Vorchristliche Architektur
Die Architektur Georgiens zeichnet
sich durch verschiedene Entwicklungsphasen aus, die man chronologisch
einordnen kann.
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Die ältesten Bauwerke (bzw.
Wohnbauten), die durch archäologische Aufgrabungen aufgedeckt
worden sind, gehören zu den Kura Araxes-Kultur
(4.-3. Jahrtausend v.Ch.) und stellen kreisförmige Wohnhäuser
dar, aus denen sich dann viereckige entwickelten.
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Die Wände und das Gewölbe
bildeten eine einfache Konstruktion, die sich vom Fußboden
bis zur Kuppel hin allmählich verjüngte. In der Mitte
befand sich eine für den Lichteinfall und den Rauchabzug
bestimmte Öffnung. Darunter war die Herdstelle eingerichtet.
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In der Komposition des
Wohnhauses hat sich frühzeitig das Motiv des Vorbaus
mit Säulen herausgebildet. Im 1. Jahrhundert v. Ch.
hat Vitruv in seinem Traktat über die Architektur
eine ausführliche Beschreibung des Wohnhauses der Kolchis
gegeben. Daraus lässt sich schließen, dass der Typ des
Wohnhauses Kuppelüberdachung und Portikus vor dem Eingang
über Jahrhunderte beibehaltet wurde. Dieser Haustyp
begleitete die georgischen Stämme in ihrer langen Geschichte,
er fand bis in die Neuzeit noch Anwendung in dem bäuerlichen
Wohnhaustyp „Darbasi“.
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Turm aus Swaneti
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Der zweite Typ der Wohnbauten,
aus Holz errichtete Türme mit mehreren Stockwerken,
ist aus der Beschreibung von Xenophon herauszunehmen.
Der griechische Heerführer, der im Jahre 400 v- Ch.
mit seinen Truppen durch Georgien zog, hinterließ die
Beschreibung zweier Wohnbauten. Die steinerne Wohntürme,
deren Form sicher weitgehend von Verteidigungsaufgaben
bestimmt wurde, sind bis zur Gegenwart in den Gebirgsgegenden
Georgiens (Swaneti, Chewsureti, Zemo-Ratscha)
erbaut und benutzt worden. Außer diesem Turm-Typ nennt
Xenophon noch Wohnhäuser mit mehreren Räumen,
die in eine Reihe angeordnet sind. Bauten dieser Art
sind in alten Wohnkomplexen in einer Schlucht bei Bordjomi
erhalten geblieben.
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Frühchristliche Architektur
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Die Bekehrung zum Christentum
hat eine neue Epoche in der Geschichte der georgischen
Kultur eingeleitet. Sie spiegelt sich am deutlichsten
in der Architektur und Kunst, in Literatur und Philosophie
wider. Was das Bauwesen betrifft, so tritt die kirchliche
Architektur in den Vordergrund an.
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Sioni-Kirche,
V Jh., Bolnisi
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Die Anfangsperiode zeichnet
sich durch die Anpassung traditioneller architektonischer
Formen an die neuen Aufgaben aus. Eine der wichtigsten
Aufgaben war die Errichtung von dem neuen religiösen
Ritualen entsprechenden Bauten. Die relativ kleine Dimensionen
der ersten Kirchen, die faktisch kleine Kappelen darstellten,
lässt sich dadurch erklären, dass (wie die Angaben aus
dem historischen Quellen sowie die erhaltenen Architekturen
belegen) am Anfang die Gläubigen sich außerhalb der
Kirche aufhielten; in die Kirche dürften nur die Gottesdiener
eintreten.
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Entsprechend der Herausbildung
der entwickelten Liturgie wurden später allmählich recht
große Kirchen erbaut. Die frühchristliche Architektur
Georgiens (die Grundidee und die Verteilung der Bauteile
in funktioneller Hinsicht) ist mit den Kirchenbauten
anderer christlicher Länder (vor allem mit den Ländern
mit orthodoxen Glaubens) identisch. Die Kirchenbauten
weisen demnach einen nach Osten gerichteten Altar und
einen Saal für die Gläubigen auf.
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Bolnisi-Inschrift
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Zu den ältesten frühchristlichen
Kirchbauten gehört die in die 2. Hälfte des 4. Jh. zu
datierende Kapelle, die in Klosterensemble von Nekresi
steht, sowie die kleine Kirche im Monasterium Dzweli
Schuamta und die Basiliken von Matani. Die
erste echte Basilika mit großen Ausmaßen ist die Sioni-Kirche
zu Bolnisi. Sie ist ein dreischiffiger Bau, der
in der Zeit zwischen 476 und 493 errichtet wurde; an
einer der Wände hat sich eine georgische Bauinschrift
erhalten. Die Inschrift aus der Sioni-Kirche,
die in Asomtawruli geschrieben worden ist, gehört
zu den ältesten datierten Inschriften der georgischen
Schrift und weist eine der früheren Entwicklungsetappe
auf.
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Dschwari-Kirche,
VI-VII Jh.
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Seit dem Beginn des 6.
Jh. treten dann Zentralbauten mit Kuppelbekrönungen
in den Vordergrund des Baugeschehens: dabei bildet das
unter der Kuppel liegende Quadrat den Kern des Kirchengebäudes,
ausgehende Räume bilden ein Kreuz. Es bestehen verschiedene
Varianten dieses Bautypus. Am Ende des 6. und zu Beginn
des 7. Jh. erbaute Kreuzkirche (Dschwari-Kirche)
von Mzcheta gilt als hervorragendes Musterbeispiel
der frühchristlichen Architektur Georgiens.
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Kirchliche Bauten In Tao-Klardscheti
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Die intensiven kirchlichen
Bauten im 8./9. Jh. hängt mit dem Namen der bedeutenden
Gestalt in der Geschichte Georgiens, Grigol Chandzteli
zusammen. Auf seiner Initiative sind mehrere Kirchen
in Tao-Klardscheti (heute in der Türkei) erbaut
worden: Chandzta, Opisa, Oschki,
Bana, Schatberdi, Berta, Isch’chani,
Otchta-Eklesia. Einen besonderer Platz unter
den Kirchenbauten 10. Jh. nehmen zwei dreischiffige
Basiliken ein, Otchta-eklesia und Parchali,
in deren Inschriften David Kuropalat und andere
Herrscher der historischen Provinz Tao-Klardscheti
erwähnt sind. Diese Bauten zeigen, dass trotz des Vorherrschens
anderer Bautypen das Interesse an dreischiffigen Basiliken
damals nicht verlorengegangen war.
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Mittelalterliche Architektur
Die Zeit des 11. bis 13. Jh.
ist die Blütezeit der georgischen Baukunst: während dieser
Zeit wurden mächtige Verteidigungssysteme und Festungen, Königspaläste,
Höllenstädte und Brücken gebaut. Auch in der Kirchenarchitektur
wurde eine neue Epoche eingeleitet: Kirchen mit Kuppeln und
einem Kreuzförmigen Grundriss entstanden in großer Zahl, seit
dem 11. Jh. verbreitete sich auch der Typus der Dreiikonchen-Anlage.

Swetizchoveli,
XI Jh.
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Die Fassaden wurden nun
mit reichen Reliefornamenten geschmückt – mit Kreuzen,
Rosseten, geometrischen und pflanzlichen Motiven; die
Wände und Gewölbe im Inneren der Bauten mit Fresken
bemalt – Motive aus den Evangelien, Lebenszyklen georgischer
Heiligen und Gründerporträts waren Themen der Malerei.
In den 10.-11. Jh. errichtete monumentale Kirchen wie
Bagrati in Kutaisi, Swetizchoweli in Mzcheta
oder Alawerdi in Kacheti sind von gesamtnationaler
Bedeutung.
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Die darauf folgende Geschichte
Georgiens verlief parallel mit dem ständigen Kampf mit
fremdländischen Aggressionen; durch ständige Versuche
von Feudalen Unabhängigkeit zu gewinnen, zerfiel Georgien
in kleinen Teilen. Die andauernden Kriege wirkten sich
ungünstig auf die Entwicklung der Wirtschaft aus, doch
auch während der kurzen Erholungsphasen besaß Georgien
genug Kraft für große Kulturleistungen. Die von Eroberern
zerstörten Kirchen und Klöster wurden wiederaufgebaut;
in 16.-17. Jh. wurden viele Kirchen mit neuen Fresken
geschmückt. Der ständige Prozess des Kirchenbaus hat
sich nur während der Sowjetischen Regime aufgehört.
Die meisten Kirchen wurden entweder geschlossen oder
für andere Zwecken benutzt. Erst nach 90er Jahren des
20. Jh. hat der Kirchenbau in Georgien neuen Aufschwung
erlebt. Unter den vielen Bauten des letzten Jahrzehnten
ist die neu erbaute grandiose Kirche von Sameba
(Die heilige Dreifaltigkeit) auf dem Elia-Berg in Tbilissi
zu nennen.
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Steinplastik
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Kwatachewi, 12.-13. Jh.
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Der Reichtum der georgischen
Plastik zeigt sich in den baugebundenen Werken an den
Fassaden und im Inneren der Bauten. Figürliche und ornamentale
Kompositionen von hoher Meisterschaft prägten das Wesen
ganzer Perioden der Baukunst. Der Ausgangspunkt der
Plastik liegt in der spätantiken Zeit; aus dieser Periode
vor der Verbreitung des Christentums vermitteln uns
Schriftquellen einige Kenntnisse. In der „Cronik Georgiens“
finden wir die Beschreibung der in Mzcheta aufgestellten
Skulpturen örtlicher heidnischer Gottheiten: Armasi,
Gazi und Ga.
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Die kupferne Figur des
Armasi - wie der Chronist berichtet – war mit
einem goldenen Panzerhemd bekleidet, der Kopf war mit
einem goldenen Helm bedekt, die Augen waren aus Achat
angefertigt; in den Händen blitzte ein Schwert. Gazi
war aus Gold hergestellt, Ga aus Silber. Unter
den aus vorchristlicher Zeit erhaltengebliebenen Denkmälern
besondere Beachtung verdient der plastisch herausgearbeitete
Kopf eines Widders, der einen Halsschmuck aus Armasis’chevi
verziert.
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Die Werke der christlichen
Zeit waren zuerst gleichsam Fortführung der ihr vorausgegangenen
heidnischen Kunst. Den aus alten heidnischen Vorstellungen
übernommenen Tiermotiven wurde gemäß der christlichen
Auffassung ein neuer Sinn gegeben, oft lediglich durch
das Hinzufügen christlicher Attribute. Zu den interessanten
Plastikbeispielen gehören die Stierköpfe aus Bolnisi
Kirche und Swetizchoweli in Mzcheta.
Die an der „Swetizchoweli“ angebrachten Köpfe aus der
5. Jh. weisen eine zarte Linienführung und Zeichnung
auf, während das Relief an der Apsis von Bolnisi
Kirche anders ausgearbeitet ist: die Tierfiguren
sind in heftiger Bewegung dargestellt und dabei flächig
und betont dekorativ.
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Kutaisi,
Kathedralle Bagrat
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Mzcheta, Dschwari
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Besonders Interessant sind
die Reliefs in Dschwari aus dem 6. Jh. An der
polygonalen Ostapsis sind über den Fenstern die Stifterfiguren
dreier Herrscher von Kartli wiedergegeben. An
der Mittleren Wand segnet der stehende Christus den
niedergeknieten Stifter. Mit besonderer Kraft offenbart
sich die Begabung des Bildhauers in der Erscheinung
des Kreuzes im Bogenfeld über dem Eingang an der Südseite.
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Zu beginn des 10. Jh. tritt
der Prozess der bildhauerischen Aneignung der Form in
das entscheidende Entwicklungsstadium ein. Das ist der
Übergang von einer flächigen Bewältigung zu einer tief
in den Stein hineingearbeiteten Figur, d.h. vom Linearen
zum Plastischen. Seit der zweiten Hälfte des 10. Jh.
erhielt die Plastik in Georgien weite Verbreitung. Sie
wurde zu einer der wichtigsten Komponenten des Fassadenschmucks
und nahm die bevorzugten Plätze über Türen, an den Fenstern,
am Tambour und in den Gliederfeldern ein.
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Kutaisi,
Kathedralle Bagrat
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Parallel begann die Plastik
das Innere des Gebäudes zu erobern. Ein breites Betätigungsfeld
erhielt sie an den Altarschranken. Die Konstruktion
der Altarschranken Georgiens unterscheidet sich von
der in Byzanz und einigen slawischen und orientalischen
Ländern. Sie sind nicht hoch und enden im allgemeinen
in Bögen. Hinsichtlich der Einzelformen zeigen die Schranken
individuelle Lösungen. Eine Reihe von Altarschrankenreliefs
aus der 11. Jh. stellen beste Beispiele georgischer
Steinplastik dar, die von breiten Ornamentbändern eingefasst
sind und von der feinen und komplizierten Technik Zeugnis
ablegen.
Literatur:
Rusudan Mepisaschwili, Wachtang Zinzadze, Die
Kunst des alten Georgien, Atlantis Verlag, 1977.
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